AT | 1010 Wien | Ausstellung “Marianne Strobl, Industrie-Fotograf”

Noch bis 26.01.2018 läuft im Photoinstitut “Bonartes” eine hochinteressante Ausstellung über eine äußerst erfolgreiche Pionierin der österreichischen Industriefotografie, Marianne Strobl [1]. In den Jahren um 1900 dokumentierte Frau Strobl, deren Spezialität Blitzlichtaufnahmen waren, nicht wenige prestigeträchtige Großprojekte der Stadt Wien wie etwa Bauarbeiten zur Errichtung der II. Wr. Hochquellenwasserleitung [2] oder die Errichtung des Wiener städtischen Gaswerkes Leopoldau [1,2]. Und dies mit Erfolg in einer bis damals absoluten Männer-Domäne.

Im Archiv von schlot.at befindet sich ein bisher nicht identifiziertes Foto, wohl von Bauarbeiten an einem Wasserspeicher (?Hochreservoir Hackenberg) [4].

Marianne-Strobl-Industrie-Fotograf

Quellen:

[1]…Marianne Strobl, wikipedia.org, 20.12.2017

[2]…Die zweite Kaiser-Franz-Josef-Hochquellenleitung der Stadt Wien. Eine Gedenkschrift zum 2. Dezember 1910; Gerlach&Wiedling, Kommissionsverlag der Gemeinde Wien. Anhang.

[3]…Schriftverkehr mit Fr. Ulrike MATZER, Kuratorin der Ausstellung.

[4]…Originalfoto M.Strobl, Industriefotograf, 290 x 230 mm, Eigentum schlot.at

AT | 1020 Wien | ehem. Frachtenbahnhof Praterstern

Im Zuge der Wohnraumschaffung wurde um 2007/08 [1] mit dem Abtrag des ehemaligen Frachtenbahnhofes Praterstern begonnen. Damit wurde dem Umstand Rechnung getragen, dass die Art der ehemaligen Nutzung (u.a. Umschlagplatz für Kohle und Koks) als obsolet bezeichnet werden muss. Markant waren am Standort die Kohlehöfe, Kohlerutschen und Kohlebunker. Innerstädtisch wird heute zum Glück kaum noch Koks verfeuert.

Eine kurze Geschichte des Altstandortes findet sich in einer Gefährdungsabschätzung des Umweltbundesamtes [2].

Zitat daraus (Beginn):

Der Altstandort „Frachtenbahnhof Praterstern“ befindet sich im 2. Bezirk von Wien nördlich des Pratersterns. Der Altstandort wird im Westen von der Nordbahnstrasse, im Norden von der Innstraße, im Osten von der Vorgartenstraße und im Süden von der Lasallestraße abgegrenzt. Die Fläche des gesamten Altstandortes beträgt insgesamt rund 820.000 m², der Teilbereich „Werkstätte“ befindet sich auf einer Fläche von rund 6.000 m². Im Jahr 1838 wurde die Kaiser-Ferdinand-Nord
bahn mit einem Personenbahnhof errichtet. Etwa 1860 wurde der Bahnhof erweitert und es wurden auch vermehrt Güter (vor allem Kohle, landwirtschaftliche Produkte und Holz sowie diverse Industriegüter) am Areal des Frachtenbahnhofs umgeschlagen. Etwa 1865 wies der Bahnhofbereich schon seine maximale Ausdehnung auf. Es entstanden große Lagerhäuser sowie auch freie Lagerflächen, Werkstätten und diverse Produktionsbetriebe. Während des 2. Weltkriegs wurde das gesamte Areal des Frachtenbahnhofs durch Bombentreffer nahezu vollständig zerstört. Nach 1945 bis etwa 1990 wurde das Areal durch eine große und häufig wechselnde Zahl an Betrieben genutzt. Nach 1945 bis etwa in die 80-iger Jahre des vorigen Jahrhunderts wurden auch große Mengen an Mineralölprodukten am Standort um geschlagen.
Ein Teilbereich des Bahnhofgeländes wurde seit rund 100 Jahren als Werkstätte für Lokomotiven genutzt. Im Bereich des Altstandortes sowie im näheren Umfeld waren auch mehrere Jahrzehnte lang oberirdische Öltanks situiert, die genaue Lage sowie Art und Menge der umgeschlagenenProdukte sind großteils nicht mehr bekannt. Im Bereich des Altstandortes befinden sich seit etwa 1867 bestehende Gleisanlagen, die großteils noch immer in Verwendung sind.

Zitat Ende

Die beigefügten Fotos aus 2008-2012 [3] sollen wertfrei den Bestand an alten Lagerhallen, Gleisanlagen und Kohlerutschen sowie den Übergang zu einem modernen Stadtteil dokumentieren. Zu dieser Zeit war das Gelände für Randgruppen aller Art hochinteressant: Obdachlose, Sprayer, spielende Schlüsselkinder, Kupferkabeldiebe, Altmetallsucher und Kampfhundebesitzer grasten regelmäßig das Gelände in puncto ihrer Interessen ab. Im Oktober 2008 konnte man in einer alten für China-Importware genutzen Lagerhalle ein Bad in Glückskeksen nehmen-siehe das in rot gehaltene Foto. Leider wurde durch die vielen ungebetenen Besucher auch viel zerstört. Dezidiert stellt sich schlot.at gegen jegliche Form des Vandalismus.

Quellen:

[1]…wien.gv.at/Rudolf Bednar-Park, abgefragt am 11.12.2017

[2]…Altstandort „Frachtenbahnhof Praterstern – Bereich Werkstätte“, UBA, abgefragt am 11.12.2017

[3]…Fotos 2008-2012, schlot.at

CZ | Chomutov | Tischlerei Franz Moltré | Möbelentwürfe | Art Déco

Von einem gewissen Franz Moltré, Beethovenstraße 24, Komotau (heute Chomutov) sind 8 Art Déco-Möbelskizzen und ein Briefumschlag aus der Zwischenkriegszeit ins schlot.at-Archiv gelangt [1].

Eine Nachfrage bei der Stadtverwaltung ergab folgende Auskunft:

+++Aus dem Adressbuch der Stadt Chomutov geht ervor, dass Franz Moltré von etwa Mitte der  1920er Jahre bis zum Zweiten Weltkrieg eine Tischlerei im Haus Nr. 948 an der Ecke Školní und Beethovená betrieb. Er ist nicht im Verzeichnis der im Zuge der Beneš-Dekrete vertriebenen Deutschen verzeichnet. [2]+++

Ein Vergleichsstück des unten erstabgebildeten Art-Déco-Entwurfes (allerdings von  Jindřich Halabala) fand Constanze C. Czutta (schlot.at) hier [3].

Wer hat weitere Informationen zu Franz Moltré und seiner Existenz nach 1938?

Quellen:

[1]…Acht Pauspapier-Skizzen von Franz Moltré bzw. dessen Werkstatt und ein Briefkuvert. Eigentum schlot.at-Archiv (2017)

[2]…Email der Stadtverwaltung der Statutarstadt Chomutov vom 13.04.2017

[3]…theoldcinema London, 03.12.2017.

 

 


	

CZ | Rudník | Terezín | Kunstseide AG Theresienthal

Die hier abgebildete Fabrik [1] ist die 1921 gegründete [2] Kunstseide AG Theresienthal im äußersten Norden Böhmens (Riesengebirge); sie war die erste derartige Produktionsstätte in der Tschechoslowakei und wurde als „Werk Secheza“ bezeichnet [3].

Über die Zwischenkriegszeit ist hierorts kaum etwas bekannt. Laut Quellen [2] und [3] wurde diese Kunstseidenfabrik in den 1960er Jahren zum Hersteller von Gummiprodukten für die Automobilindustrie umprofiliert und firmierte schließlich als Rubena Rudník [2]. 1989 erfolgte eine neuerliche Umfirmierung, die nicht weiter dokumentiert ist [3].

2010 berichteten Medien von einer folgenschweren Explosion im Werk der Firma AVON Automotive in Rudník [4]. Es liegt nahe, dass AVON Automotive nunmehr der Rechtsnachfolger von Rubena Rudník ist [5]. Dies wird durch die Geschichtsseite des Unternehmens untermauert, wo der Einkauf nach Rudník (wohl das Rubena-Werk) in der Zeitleiste mit dem Jahr 2000 dokumentiert ist [6].

Quellen:

[1]…Fotopostkarte „TEREZIN“, im unteren Teil schwarz retouchiert der Schriftzug „Kunstseide AG Theresiental“. 133 x 83 mm Belichtungsfläche, ohne Jahr. Wohl um 1925-1930 Eigentum schlot.at-Archiv (2017)

[2]…Terezín (Rudnik) auf wikipedia.org, abgefragt am 30.11.2017

[3]…rudnik.cz, Geschichte (tschech.), abgefragt am 30.11.2017

[4]…lidovky.cz, Bilder und Bericht von der Expolosion 2010 (tschech.) abgefragt am 30.11.2017

[5]…Avon Automotive, abgefragt am 30.11.2017

[6]…Avon Automotive/Geschichte, abgefragt am 30.11.2017

 

GB | Swindon | GWR / Swindon Works

Neuzugang ins Archiv:

Nachlass eines ehemaligen Mitarbeiters der britischen Great Western Railway-Lokomotivwerkstätte und -fabrik Swindon Works, Wiltshire, England [1].

1841 gegründet, wurden bis 1843 nur Reparaturen ausgeführt, 1846 die erste eigene Lokomotive “Premier”erzeugt. 1850 wurde mit der Herstellung von Güterwaggons begonnen. 1851 wurden bereits über 2000 Arbeiter beschäftigt und eine Lokomotive pro Woche fertiggestellt.

Ab 1875 wurden zusätzlich Schiffsmotoren für die Schiffsflotte der GWR gebaut. Um 1900 hier gefertigte komplette Züge wiesen bereits elektrische Innenbeleuchtung auf, ein Hinweis auf die Innovationskraft des Unternehmens.

1914 wurden im Zuge der Rüstungsproduktion in Swindon Haubitzen erzeugt [2]

Einen sehr guten Überblick über die technische Einrichtung und Organisation der Fabrik anno 1935 gibt Quelle [3].

1947 wurde die Fabrik verstaatlicht [2] und in Folge als Teil der British Railways geführt; sie spezialisierte ihre Produktion auf Diesel-Hydraulik-Lokomotiven. Im Zuge laufender Technologieänderungen wurde die Produktion 1965 eingestellt und der Standort bis 1986 nur noch zu Reparaturzwecken betrieben.

Ein Großteil der uns vorliegenden Bilder wurde um 1986 nach Werksschließung geschossen.

Quellen:

[1]…Foto-Reproduktionen (schwarz-weiß) und Originale vom Abbruch 1986, Eigentum schlot.at-Archiv (2017)

[2]..wikipedia.com, Swindon Works, abgefragt am 19.04.2017

[3]…gracesguide.co.uk, Swindon Works in 1935, abgefragt am 19.04.2017

 

AT | GD | Heidenreichstein | Strumpfwarenfabrik BÄRENMARKE

Foto einer Werksbesichtigung am Gelände der ehemaligen Strumpffabrik BÄRENMARKE,  Heidenreichstein, Waidhofner Straße 10, um 1965-1970 [1].

Als stilistisch mutig kann die im Stile einer Fleischerei vollständig gekachelte Fassade des Fabriksgebäudes bezeichnet werden. Aus heutiger Sicht attraktiv erscheinen hingegen das aufwendige Mosaik-Logo und die Neon-Reklame am Firmendach. Links im Bild ist die Anlieferung von Chemikalien für die Nylonproduktion [5] im Tank-LKW dokumentiert.

Zur Geschichte der Strumpffabrik konnten folgende Meilensteine eruiert werden:

  • 1916: Übernahme der ehem. Strickerei FRIEDRICH durch David Goldfeld&Co. [2]
  • 1925: GOLDFELD & Co Strumpfwarenfabrik (1916), Kirchberg am Walde, Heidenreichstein, Wien 19., Hardtgasse 25 und 32. (Kraftantrieb) 30 PS, 400-500 Arbeiter. Verwaltung in Wien. [3]
  • Beginn 1930er Jahre: Beschäftigungsstand ca. 80 Personen [2]
  • 1938-1945: Arisierung, Übernahme durch Mathias GERÖ, Kriegsproduktion mit ca. 50 Beschäftigten. [2]
  • 1959: GERÖ & HOHENBERG, Strumpfwarenfabrik „BÄRENMARKE“ (1916), Heidenreichstein […] 100 Arbeiter.
  • 1961: Errichtung einer Filiale in der ehem. Strickerei GLÜCK, Eisgarn. [2]
  • 1976: Ende der Produktion ein Heidenreichstein und Eisgarn. [2]
  • 2006: Nachnutzung der Fabriksgebäude durch einen Supermarkt [2]

Quellen:

[1]…Farbfoto KODAK, 117 x 80 mm Belichtungsfläche, unbeschriftet. Eigentum schlot.at-Archiv (2017)

[2]…STADLER, G. A. (2006) Das industrielle Erbe Niederösterreichs: Geschichte, Technik, Architektur; Böhlau-Verlag Wien Köln Weimar. S. 320

[3]…COMPASS VERLAG (1925): Industrie-Compass Österreich 1925/26, 1472

[4]…COMPASS VERLAG (1959): Industrie-Compass Österreich 1959, 1301

[5]…schule-studium.de, Nylonherstellung, abgefragt am 07.04.2017

INT | Ziegelwerk mit Ringofen | um 1910

Undatierte Foto-Postkarte eines Ziegelwerk-Areales, wohl um 1910 [1]. Zu sehen sind:

  • Ziegelteich im Vordergrund
  • Frischgeschlagene Ziegel zum Trocknen  / Mittelgrund und rechter Vordergrund
  • Überdachte Trockenstapel für Aufbewahrung bis zum Brand / Mitte und links
  • Holzummantelter Hoffmannscher Ringofen mit mächtigem Kamin
  • Wäscherinnen oder Zieglerinnen beim Waschen

Wer hat Hinweise auf den Standort? Provenienz der Fotokarte: Tirol

Quelle:

[1]: Foto-Postkarte mit maskierter Belichtungsfläche 108 x 78 mm, ohne Beschriftung. Eigentum schlot.at-Archiv (2017)

DE | BBG | Schornsteinbau EBELING | 1891

Annonce [1] anno 1892 eines 2017 nicht mehr bestehenden sächsischen Schornsteinherstellers und -sanierers, nämlich der Gebrüder EBELING in Bernburg/Anhalt . Glaubt man dem Inserat, so konnte der “Schornsteinkünstler” “Reparaturen jeder gefährlichsten Art, als: Einbinden, Höherbauen, Geraderichten, Ausfugen, Ausbessern, Abtragen oder Umwerfen etc. bei Besteigung von aussen mit Kunstgerüst fachgemäss, schnell und billigst während des Betriebes” bewerkstelligen.

Wie in vielen Annoncen dieser Zeit wird geradezu Unmögliches beworben. Wie das Umwerfen eines Kamines bei Besteigung mit Kunstgerüst von außen bei laufendem Betrieb funktionieren soll, fragt sich der Autor dieser Zeilen – und wohl auch die beiden armen Figuren in der Annonce. “Fachgemäss” und “schnell” sowie “Fachgemäß” und “billigst” schließen sich nach bisheriger Lebenserfahrung der hier schreibenden Redakteure ebenfalls aus.

Eine Nachfrage beim Hersteller muss unterbleiben, existiert doch kein Schornsteinbauer-Unternehmen dieses Namens mehr [2].

Quellen:

[1]…Oesterreichische Zeitschrift für Berg- und Hüttenwesen, 40. Jg. 1892, Verlag der Manz‘schen k.u.k. Hof-Verlags- und Universitätsbuchhandlung, Wien. S 254e, schlot.at freundlich zugeeignet von Mag.theol. Rochus HETZENDORFER (2016)

[2]…google.com, 05.02.2017

BG | unbekanntes Sägewerk | дъскорезница | 1924

Echtfoto – Postkarte [1] aus 1924, welche ein älteres, heruntergekommenes Sägewerk in Bulgarien [1,2] zeigt. Es bestehen hinter Sägen mit Holzüberdachung, den üblichen großen Lagerflächen für Schnitt- und Spaltholz und den schmalspurigen Waldbahn-Gleisen zwei markante Gebäude.

  1.  Das eigentliche Sägewerk mit länglicher holzvertäfelter Halle samt Tonnengewölbe aus Blech, zwei daraufgesetzten Belüftungsgiebeln und einem dünnen Blechkamin. Interessant sind die unzähligen kleinen Fenster an den oberen Seitenfronten der Halle, von denen viele bereits zu Bruche gegangen sind (Kriegsfolge 1914-1918?).
  2.  Im rechten Vordergrund das mit „фабрично управление“ beschriftete Verwaltungsgebäude aus Ziegeln mit hölzernem Eingangsbereich; hier halten sich gerade mehrere Arbeiter, möglicherweise zur Auszahlung des Taglohnes, auf.

 

Wer kennt den Aufnahmeort?

Quellen:

[1]… Echtfoto – Postkarte 137×88 mm, Hersteller „B“, frankiert mit 2 Stück Ergänzungsmarken à 1 Lew, entwertet mit rotem Poststift durch Auskreuzen; datiert mit 19.04.1924, gelaufen an eine „Bau-Kompanija Vitez“, Bosnien, S.H.S., Eigentum schlot.at-Archiv

[2]…Google Translate, 07.09.2016

INT | Suchanfrage | Braunkohle – Tagebau 1 | ~1940

2 Fotos [1] aus ca. 1940 aus einem riesigen, vermutlich deutschen Braunkohlerevier. Zu erkennen sind ein mächtiger Förderbagger der Marke KRUPP, ferner zwei parallel verlaufende Schmalspurgleise samt zugehöriger Lokomotive. Am Foto, das vom Bagger aus geschossen wurde, werden die Dimensionen seiner Ketten (rechts im Bild) und die Größe des Abbaufeldes ersichtlich.

Um welchen Tagebau kann es sich hierbei handeln?

Quelle:

[1] 2 Kontaktkopien 88 x 51 mm Belichtungsfläche, von Rollfilm auf Leonar, um 1940, Eigentum schlot.at (2016)