Mission Statement

Die Dokumentationsplattform

schlot.at ist 2007 als Projekt entstanden, doch wir hatten das Schlimmste von Anfang an geahnt: das „Projekt“ schlot.at ist nie fertig. Wir waren und bleiben ständig auf der Suche nach industriegeschichtlichen Dokumenten – zu Anfangs aus dem „Viertel unterm Wienerwald“ (auch bekannt als Industrieviertel), schon bald darauf mit erweitertem Fokus…

Zusätzlich zu den Bezirken des Industrieviertels (Wien Umgebung, Bruck an der Leitha, Mödling, Baden, Wiener Neustadt, Wiener Neustadt Land und Neunkirchen) wird auf die umfassende Dokumentation von Standorten in Wien und die Präsentation von österreich- und weltweit aufgefundenen Objekten Wert gelegt.

Egal, ob abgerissen oder bestehend, es ist uns ein Anliegen, ihre Lage, Konstruktion, Nutzung und Nachnutzung, aber auch ihren Abriss zu dokumentieren. Dies soll hauptsächlich über Fotos aus mehr als zehn Dekaden geschehen und nur ein Ansporn für eigene Forschungen und Entdeckungen sein.

schlot.at möchte eine zeitgemäße Plattform  sein, die Menschen für lokale Industriegeschichte und Industriearchitektur begeistert. Berührungspunkte mit den Disziplinen Bauforschung, Architektur und Technikgeschichte scheinen gegeben.


Klare Abgrenzung

schlot.at trauert nicht der fälschlicherweise verklärten „guten alten Zeit“ nach. Wir sehen die industrielle Entwicklung nicht romantisch, sondern einerseits mit großem Respekt, andererseits mit der nötigen Objektivität. Immerhin war und ist der sekundäre Wirtschaftssektor einer der Hauptverursacher sozialer Spannungen und verschiedenster Umweltbelastungen.

schlot.at ist keine Werbeplattform für Unternehmen.


Philosophischer Hintergrund

Die Entwicklung des südlichen Niederösterreichs ist untrennbar mit dem industriellen Aufschwung des 19. und 20. Jahrhunderts verbunden. Bei näherer Beleuchtung der Standortfaktoren werden die Gründe dafür klar: Die nutzbare Wasserkraft der Voralpenflüsse, der im südlichen Steinfeld ertragsarme und billige Boden, die nahen Ballungs- und Absatzräume qualifizierten das Viertel unter dem Wienerwald für eine intensive industrielle Nutzung. Ergiebige und hochwertige Rohstoffvorkommen wie die Kalke und Dolomite des Wienerwaldes und der Ummantelung des Leithagebirges oder die Tonvorkommen südlich von Wien sichern den Fortbestand der Grundstoffindustrie. Jahrhundertalte Traditionen wie die Eisen- und Textilverarbeitung werden nach wie vor in mehreren Regionen des Industrieviertels gepflegt.

Als Zeugen vergangener oder gegenwärtiger industrieller Aktivität ragen im Industrieviertel an die 100 Schlote aus mehr als zehn Dekaden in den Himmel. Sie können als Denk- oder Mahnmäler an eine Form der Beschäftigung verstanden werden, die ihresgleichen sucht: Die Arbeit in Fabriken. Entbehrungen, 14-Stunden-Tage ohne freies Wochenende, Entrechtung, schließlich soziale Errungenschaften, Solidarität, dann Missbrauch zu Rüstungsproduktion, Zwangsarbeit, ständig steigende Produktivität, in letzter Zeit immer öfter ohne ethisches Paradigma; Industriegeschichte nüchtern betrachtet:

Fruchtbares und Furchtbares nah aneinander.

Die auf dieser Website dokumentierten Schlote sollen anregen, sich wissenschaftlich oder philosophisch dem äußerst komplexen Thema Industriearchäologie zu nähern. Dabei helfen unauffällige, oft sogar versteckte Hinweise beim Ziehen logischer Schlüsse und beim Erkenntnisgewinn.